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Praxis & Forschung

Internationale Erfahrungen und offene Fragen für die Erprobung forensischer Peer-Arbeit in der Schweiz.

Was internationale Erfahrungen zeigen

Wie wird forensische Peer-Arbeit in anderen Ländern eingesetzt und untersucht? Diese Seite stellt ausgewählte Studien vor und zeigt, welche organisatorischen Fragen die Initiative mit ForensicMatch aufgreift.

Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf die Schweiz übertragen. Sie können jedoch helfen, Voraussetzungen und offene Fragen für mögliche Einsätze zu erkennen.

Praxisbeispiel: Rostock

Deutschland · Rostock

Peer Support in der forensischen Psychiatrie

Die Rostocker Untersuchung beschreibt eine überwiegend positive Aufnahme des Genesungsbegleiters durch die Patientinnen und Patienten. Geteilte Erfahrungen erleichterten Gespräche über Sucht und den persönlichen Genesungsweg (Recovery). Für die Zusammenarbeit waren klare Rollen, Kommunikation und fachliche Begleitung wichtig.

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Die Einführung eines Genesungsbegleiters im Massregelvollzug der Universitätsmedizin Rostock wurde aus Sicht der Patientinnen und Patienten, der Mitarbeitenden sowie des Genesungsbegleiters untersucht. Nach einem Jahr waren die anfänglichen Vorbehalte im Team deutlich zurückgegangen.

Die Befragten beschrieben geteilte Erfahrungen mit Suchterkrankung, Behandlung und Haft als glaubwürdig und hilfreich. Aufgaben, Grenzen, Informationsweitergabe und Terminkoordination mussten geklärt werden. Der Genesungsbegleiter hob die Unterstützung durch fachliche Begleitung, Supervision und den Austausch mit anderen Peers hervor. Dafür waren verlässliche organisatorische Abläufe nötig.

Abschlussbericht der Universitätsmedizin Rostock →
Studie zur Patientenperspektive →
Evaluation der Implementierung →

Hinweis: Die digitalen Ansätze von ForensicMatch wurden nicht durch die Universitätsmedizin Rostock bewertet. Es besteht keine Zusammenarbeit.

Weitere internationale Erfahrungen

Studien aus verschiedenen Ländern untersuchen Rollenklärung, institutionelle Einbindung, Beschäftigung, Finanzierung und organisatorische Unterstützung.

England

Peer-Arbeit im Team verschiedener Berufsgruppen

Befragte Fachpersonen beschrieben neue Perspektiven, besondere Beziehungen und Hoffnung durch die Zusammenarbeit mit Peers. Zugleich nannten sie unklare Rollen, Grenzen und mögliche Belastungen. Die Studie unterstreicht damit den Klärungsbedarf bei der Einbindung ins Team.

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Befragt wurden acht Fachpersonen aus unterschiedlichen Berufsgruppen in zwei gemeindenah arbeitenden forensischen Teams. Im Mittelpunkt stand ihre Zusammenarbeit mit Peer Support Workers.

Die Studie betont klare Regeln für Aufgaben, Grenzen und die Zusammenarbeit der Peer Support Workers mit den verschiedenen Berufsgruppen.

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USA · Pennsylvania

Nach der Ausbildung: Zugang zur Beschäftigung

In der Befragung hatte nur ein Teil der ausgebildeten Forensic Peer Specialists bereits in dieser Rolle gearbeitet. Die Studie macht deutlich, dass eine abgeschlossene Ausbildung allein noch keinen Zugang zu entsprechender Beschäftigung sichert.

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Befragt wurden 117 ausgebildete Forensic Peer Specialists; ergänzend fanden 16 qualitative Interviews statt. Laut Studienzusammenfassung hatten 44 Personen bereits in dieser Rolle gearbeitet.

Die Tätigkeiten fanden in unterschiedlichen Einsatzfeldern statt, vor allem in der individuellen Unterstützung. Die Studie empfiehlt mehr konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten und die Berücksichtigung passender eigener Erfahrung bei der Besetzung.

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USA · Pennsylvania · Implementierungsforschung

Was Peer-Angebote langfristig unterstützt

Die Studie untersuchte, was Aufbau und Fortbestand von Peer-Angeboten erleichtert oder erschwert. Wichtig waren Unterstützung im Justizsystem, verlässliche Zusammenarbeit und Finanzierung. Beschäftigungshürden und Spannungen zwischen Genesungsorientierung und Sanktionsanforderungen blieben Hindernisse.

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An der Implementierungsstudie nahmen 37 Peer Specialists und 14 weitere Beteiligte teil. Untersucht wurden Aufbau und langfristige Stabilität forensischer Peer-Angebote.

Personen, die sich gezielt für genesungsorientierte Peer-Arbeit einsetzten, erleichterten die Einführung. Menschen mit eigener Justizerfahrung begegneten formellen und informellen Beschäftigungshürden. Hinzu kamen Finanzierungsprobleme und Spannungen mit institutionellen Sanktionsanforderungen. Für den Fortbestand der Angebote waren verlässliche Beziehungen und die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des Justizsystems besonders wichtig.

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Dänemark · Forensische Psychiatrie · 2026

Peer-Rolle zwischen Recovery und institutionellen Anforderungen

In der dänischen Studie beschrieben Peers ihre Tätigkeit als sinnvoll; Fachpersonen schätzten ihre Beziehungsarbeit. Unklare Zuständigkeiten, begrenzte Entscheidungsmöglichkeiten sowie Fragen zu Verantwortung und Sicherheit führten jedoch zu Spannungen. Die Einbindung braucht deshalb geklärte Rollen und organisatorische Unterstützung.

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Die dänische Studie umfasste fünf Einzelinterviews und vier Fokusgruppen mit Peer Support Workers, Fachpersonen und Leitungspersonen in der forensischen Psychiatrie.

Neben Rollen- und Grenzfragen wurden Unsicherheiten zu Rückfällen und professioneller Verantwortung beschrieben. Als Voraussetzungen für die Einbindung nennt die Studie klare Rollen, passende Kompetenzen und dauerhafte organisatorische Unterstützung.

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Internationale Forschung · 2026

Erfahrungswissen in der Qualitätsdiskussion

Eine internationale Konsensstudie berücksichtigte Peer Support und Erfahrungswissen in Standards forensischer Versorgung. Diskutiert wurden die Einbindung ins Team, Vertraulichkeit und praktische Umsetzbarkeit. Ein bestimmtes Organisationsmodell wurde damit nicht festgelegt.

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An der Delphi-Konsensstudie beteiligten sich 23 Personen mit Expertise aus Forschung, Praxis, Leitung oder eigener Erfahrung. Sie entwickelte 12 Leitprinzipien und 43 Kernelemente für forensisch-psychiatrische Versorgung. Ein Kernelement sieht die Beteiligung von Menschen mit Erfahrungswissen beziehungsweise Peer Support Workers an Versorgung, Angebotsentwicklung und Leistungserbringung vor.

Diskutiert wurden Evidenzlage, Machbarkeit, Vertraulichkeit und die Stellung im multidisziplinären Team. Die Konsensformulierung befürwortet die Einbindung von Menschen mit Erfahrungswissen beziehungsweise Peer Support Workers in die forensische Versorgung, ohne ein bestimmtes Organisationsmodell vorzugeben.

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Warum diese Erkenntnisse relevant sind

Die Beispiele beschreiben mögliche Beiträge zur Beziehungsgestaltung und persönliche Erfahrungen mit Peer-Arbeit. Wiederkehrende organisatorische Themen sind Rollenklärung, fachliche Begleitung, Zusammenarbeit und Finanzierung.

Für mögliche Einsätze in der Schweiz sollten diese Fragen gemeinsam mit Peers, Fachpersonen und Institutionen geklärt werden.

Welche Fragen müssen für eine spätere Erprobung in der Schweiz geklärt werden?

Vier Themen stehen im Mittelpunkt: Rolle und Zusammenarbeit, Einsatzmöglichkeiten und Finanzierung, fachliche Begleitung sowie Organisation und Dokumentation.

Die folgenden Fragen sollen den Austausch über spätere Einsätze unterstützen. Die Initiative gibt weder die fachliche Ausgestaltung des Pilotlehrgangs noch die spätere Peer-Rolle vor.

Einordnung: Die genannten Studien und Praxisbeispiele belegen für sich genommen keine bestimmten Behandlungserfolge. Auch die Eignung eines Organisationsmodells für die Schweiz lässt sich daraus nicht ableiten. Ihre Nennung bedeutet keine Zusammenarbeit der genannten Institutionen mit forensischer-peer.ch.

Wie unterstützt ForensicMatch institutionelle Peer-Arbeit?

ForensicMatch soll dabei unterstützen, institutionell eingebundene Peer-Arbeit organisatorisch zu begleiten: Aufgaben und Zuständigkeiten klären, Einsätze abstimmen und fachliche Begleitung nachvollziehbar einbinden. Die besondere Peer-Rolle und der Schutz persönlicher Reflexionen bleiben dabei zentral.

Der geplante Film veranschaulicht einen möglichen Arbeitsalltag eines institutionellen Peers – von der gemeinsamen Begleitplanung über die Begleitung und Dokumentation bis zur persönlichen Reflexion sowie Intervision und Supervision. Er zeigt einen beispielhaften Ablauf, keine bereits bestehende Zusammenarbeit mit einer Institution.

Das Video zum institutionellen Peer ist in Vorbereitung.

Demonstrator mit Testdaten – eine Eigenentwicklung der Initiative.
Kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis. Keine realen Klienten- oder Falldaten eingeben.
ForensicMatch ausprobieren

Praxiswissen einbringen

Welche Erfahrungen haben Sie mit Rollenklärung, Informationsweitergabe, fachlicher Begleitung und der Einbindung von Peers in eine Institution? Die Initiative lädt Peers, Fachpersonen und Institutionen zum Austausch ein. Erfahrungen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich sind willkommen.

Das Kurzkonzept fasst Idee, Entwicklungsstand und offene Fragen zu ForensicMatch zusammen. Es bietet einen kompakten Einstieg für den fachlichen Austausch.

ForensicMatch – Kurzkonzept für den fachlichen Austausch (PDF) →

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